Freitag, 4. Februar 2011
Samstag, 21. Januar 2011 - erster Bericht aus dem Busch
Jetzt bin ich schon eine Woche in Tabenken, wohne bei den Nonnen im Convent und arbeite in dem Health Centre, das sie „bewirtschaften“. Sehr sehr viele neue und ganz andere Eindrücke als bisher habe ich in dieser einen Woche schon sammeln können und dabei wird es wohl nicht bleiben...
Tabenken ist ein kleines Dorf, das man erreicht, wenn man von Kumbo aus in den Norden (In Richtung Nigeria) fährt. Ich bin mit dem Motorbike hingefahren mit dem Fahrer meines Vertrauens, Damian, der mich auch immer morgens ins Waisenhaus gefahren hat. Die Fahrt war stuabig und lang (3 h), aber die Landschaft war mal wieder wunderschön anzusehen. Die vier Schwestern, die hier in dem Convent wohnen haben mich alle sehr herzlich empfangen und sind wirklich nett. Zwei von den vieren arbeiten im health centre, die anderen beiden (, die auch die älteren beiden sind) sind zuhause und kochen. Entgegen aller Erwartungen gibt es hier Wasser, Strom und sogar Handy-Empfang (allerdings nur von einem bestimmten Handy-Anbieter, von dem ich leider noch! kein Kunde bin). Das alles sei aber sehr frisch hier (Strom, der nicht die ganze Zeit ausfällt erst seit dem Besuch des kamerunischen Präsidenten Paul Biya in Bamenda, der Hauptstadt der Nord-West-Provinz, in der ich mich hier befinde, im Dezember 2010 und Netzempfang erst seit 4-5 Monaten).
Ich verstehe mich besonders gut mit der jüngsten der Schwestern hier, die vielleich so Mitte 20 ist und mit der ich nachmittags immer aufs Feld gehe, um die Beete zu gießen. Zum Glück liegt dieses Feld direkt an einem kleinen Bach, der durch das Dorf fließt (selbst jetzt in der Trockenzeit hat er relativ viel Wasser) sodass man nicht allzu lange Eimer schleffen muss. Die Feldarbeit ist wirklich anstrengend und schwer und ich bewundere jedesmal aufs neue, wie diese Frauen (Feldarbeit ist hier Frauenarbeit) das alles schaffen. Man sieht hier in der Landschaft überall Felder, die teilweise so groß sind, dass man denkt, das könne nur mit Maschinen geschafft werden, die aber alle mit bloßen Händen (nicht einmal mit Hilfe von Tieren) von den unglaublich starken Frauen dieses Landes bewirtschaftet werden, um ihre Familien zu ernähren und vielleicht ein paar Erdnüsse, Sojabohnen oder Kürbiskerne auf dem Markt zu vekaufen, um das Schulgeld für die Kinder zu bezahlen, oder Seife zum Wäsche waschen (wenn der Mann nicht arbeitet und so noch eine andere Geldquelle bietet, was doch recht oft vorkommt). Ein Mädchen, das im healh centre putzt, hat mir gestern ihre Geschichte erzählt. Sie ist eine von vier Kindern einer nicht verheirateten Mutter, die vor zwei Jahren gestorben ist – Ihre jüngeren Geschwister leben bei der Großmutter, sie selbst ist 18 Jahre alt, hat ein zweijähriges Kind, einen Mann (den sie wahrscheinlich heiraten musste, weil sie schwanger war, um nicht das Gesicht zu verlieren), arbeitet vomittags im health centre (bekommt daf[r im Monat 10000 frs, was nicht einmal 20 Euro sind) geht nachmittags noch aufs Feld und arbeitet weiter und kommt abends nach hause, um für ihr Kind und ihren Mann zu kochen (das Kind ist tagsüber bei seinem Vater, der immerhin auch etwas mithilft und ab und zu aufs Feld zum arbeiten geht, was aber eher eine Ausnahme ist). Sie hat nur die Primary-school abgeschlossen, die hiesige Grundschule, die allerdings 6 Jahre dauert und die verpflichtend ist und nicht so viel kostet, wie die weiterführenden Schule (aber trotzdem noch zu viel – Offiziell gibt es in Kamerun kein Schulgeld mehr, so steht es sogar im Reiseführer, die Realität sieht jedoch ganz anders aus – alle Schulen kosten hier Geld! Korruption!) und wird wahrscheinlich weder die Zeit, noch das Geld dafür haben, irgendwann ihre Bildung zu erweitern. Wenn ich das höre und ihr Leben mit meinem eigenen vergleiche, schäme ich micht für alles, worüber ich mich je beschwert habe, meine eigenen kleinen Probleme sind neben ihren einfach nur lächerlich und absurd. Das aller absurdeste und erstaunlichste dabei ist, dass sie trotz allem gut gelaunt, freundlich un offen ist und man ihr nichts von alledem anmerkt... Ich bin gespalten zwischen großer Bewunderung und gleichzeitig Rat- und Hilflosigkeit, wie ich mit ihr umgehen soll – was soll man denn da sagen, als jemand, der hierher gekommen ist, um zwar Erfahrungen zu sammeln und das Leben hier zu erleben, aber immer mit der Sicherheit und Gewissheit im Hinterkopf: „Ich komme wieder in mein reiches, entwickeltes, behütetes, deutsches Umfeld zurück und werde nach diesem Jahr ganz normal weiterleben wie bisher (Kann ich das überhaupt?); Ich kann hier nichts verändern, ich als kleine, unausgebildete Freiwillige – wo soll ich denn anfangen? Wenn selbst ausgebildete Entwicklungshelfer das nicht schaffen“... Da wird man schon nachdenklich, findet aber natürlich keine Lösung und ist dankbar für jede Ablenkung, wie zum Beispiel die lustigen, singenden, tanzenden Schwestern und ihre Gesprächsthemen, wie zum Beispiel das Klima in den verschiedenen Gebieten Kameruns, in denen sie schon überall gearbeitet haben und die Schweißproduktion anderer Schwestern, oder die Art, wie man Mangos in der Mangozeit so zubereiten kann, dass sie das ganze Jahr über halten und die Begeisterung eines Bischofs dafür... Oder wenn ich mit Sr. Pascaline abends das Aerobicprogramm einer amerikanischen Fitnesstussi, duchgehe, wovon sie eine CD hat, die wohl irgendwann mal eine Schwester besorgt hat, um ihre Mitschwestern fit zu halten. „and kick and kick and walk and walk“ =) oder die lieben afrikanischen Mamas, die immer ganz herzlich und freundlich grüßen. Ansosnten gibt es hier nicht besonders viel Ablenkung. Ich lese viel (endlich mal Zeit für meine vielen mitgebrachten Bücher, die bisher nur im Regal standen), gehe spazieren, in die Kirche, bete abends immer mit den Schwestern (ganz ungezwungen) und bin eigenltich ziemlich zufrieden hier.
Weihnachten
Halli Hallo ins ferne Deutschland!
Es ist mal wieder lange geworden, seitdem ich das letzte Mal habe von mir hören lassen. Aber wir waren wirklich seit dem Beginn der Weihnachtsferien ununterbrochen unterwegs, eingeladen, mit eigenen Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt oder auch einfach müde... So werde ich versuchen, aus den sehr ereignisreichen letzten 4 Wochen das wichtigeste und interessanteste herauszupicken und euch zu berichten. Ob das gelingt, weiß ich nicht, denn eigentlich habe ich jetzt gerade auch keine Zeit und bin damit beschäftigt, Mäuse aus unserer Küche zu vertreiben, Wasser an den Wasserstelle zu holen, um meine Wäsche zu waschen und vielleicht auch mal zur Abwechslung mich selbst ein bisschen zu säubern =).
Am besten fange ich mit Weihnachten an. Von sehr vielen habe ich gehört, dass euch das wohl am meisten interessiert – wie in Kamerun Weihnachten gefeiert wird. Leider muss ich euch da ein bisschen enttäuschen: Große Traditionen, wie Advenzkränze, Weihnachtsbäume oder Plätzchen gibt es hier nicht (da ist Deutschland selbst in Europa wohl das Land mit dem meisten Weihnachts-Schnick-Schnack). Trotzdem muss ich sagen, dass ich mir Weihnachten so weit weg von zuhause und meiner Familie wirklich schwieriger vorgestellt habe. Alles in allem war es eine sehr schöne Zeit mit vielen netten Begegnungen und auch trotz des „unpassenden“ Wetters einer gemütlichen und heimelichen Atmosphäre.
Alle Kinder und auch Frauen bekommen (wenn das Geld dafür reicht) zu Weihnachten neue, schöne Klamotten und Schuhe. Man sieht viele Kinder in kleinen Grüppchen um die Häuser ziehen und Weihnachtslieder singen, um Süßigkeiten und etwas zu trinken bei den Gastgebern zu bekommen – Ähnlich wie unsere Sternsinger. Leider konnten wir nur abends zwei Grüppchen empfangen, weil wir den ganzen Tag unterwegs waren.
An Heiligabend gehen auch hier alle in die Kirche, aber Bescherung und gemütliches familiäres Liedersingen und Beisammensein wird hier durch Freunde in Bars treffen, Trinken und Feiern ersetzt =). Es wird so viel gefeiert, dass dann am nächsten Morgen in der eigentlichen Weihnachtsmesse alle sehr müde sind und teilweise auch auf den Kirchbänken einschlafen. Dann werden zu hause Gäste empfangen, bzw. man besucht Freunde. Essen , süße Getränke und Bier steht für alle bereit, die eben vorbeikommen wollen. Wir drei konnten uns vor Einladungen kaum noch retten und mussten leider auch einigen absagen, weil die Zeit nicht gereicht hätte. So waren wir am 25. den ganzen Tag unterwegs, haben insgesamt 4 verschiedene Orte besucht und wurden natürlich auch jedesmal ordentlich mit Fufu und Njama Njama und Ffleich und Bier und Palmwein und Kochbananen und Reis und und und und... verköstigt. Anstatt Weihnachtsplätzchen gibt es hier Chin-Chin und Popcorn, das sind kleine frittierte Teigstreifen, die eher salzig als süß schmecken und von denen man nicht mehr aufhören kann, zu essen, wenn man einmal angefangen hat. Man glaubt garnicht, wie anstrengend das alles sein kann. =) Dann sitzt man mit den Leuten zusammen im Wohnzimmer und isst, trinkt, redet, wenn Strom da ist, läuft der Fernseher als Unterhaltung, und genießt eben das Weihnachtsfest. In manchen Häusern steht sogar ein kleiner Plastik-Weihnachtsbaum mit wunderschön geschmackvollem Glitzerschmuck. Im Bischofshaus stand auch ein richtiger Weihnachtsbaum, der mit Luftballons und BonBons geschmückt war.
Und Abends geht man dann wieder aus, so wie am Heiligabend. Vor allem die Jugend feiert dann ausgelassen bis in die Morgenstunden. Am 26. geht es weiter, wie am 25. und dann ist der ganze Weihnachtszauber-wenn man das so nennen kann, auch schon wieder vorbei. Wir drei haben den Heiligabend aber sehr heimelich und deutsch verbracht. Zusammen mit Mona, der deutschen Ärztin haben wir Plätzchen und Lebkuchen gegessen, Lieder gesungen, die Weihnachtsgeschichte vorgelesen und Bescherung gemacht (leider sind die ganzen Weihnachtspäckchen aus Deutschland erst jetzt angekommen, sodass ich an Heiligabend selbst kaum etwas zum auspacken hatte, aber das ist ja nicht so wichtig – umso mehr habe ich mich jetzt über die verspäteten Grüße und Plätzchengeschenke (die leider nur noch teilweise genießbar waren) gefreut – Vielen Dank dafür!) und danach, zur Krönung des Abends, gab es Hühnerbraten mit Kartoffelknödeln und Rotkraut. Wie schon gesagt-sehr deutsch! Der Hühnerbraten war eine besondere Attraktion, denn der wurde natürlich selbst geschlachtet, entfedert und ausgenommen – wie man das hier so macht. Unser Hahn Ansger wird uns immer in guter Erinnerung bleiben! Doch trotz diesem so gut es geht deutschen Heiligabend war es natürlich immernoch komisch und nicht so richtig typisch weihnachtlich hier bei Sonnenschein und Staub – was nicht heißt, dass es nicht schön war, im Gegenteil, es war sehr schön – nur eben nicht wie Weihnachten, wie ich es sonst kenne und das war ja zu erwarten. =)
Ansonsten waren wir nach Weihnachten zwei Wochen im Norden Kameruns unterwegs, was sehr interessant und schön war. Doch leider habe ich jetzt nicht genug Zeit, um davon zu berichten, weil wir schon wieder voll in Vorbereitungen für unseren Aufenthalt in den Dörfern stecken. Am Sonntag werde ich nach Tebenken in ein health centre gehen, das von Franziskanerinnen geführt wird, dort mit ihnen leben und arbeiten (hoffentlich darf ich auch ein bisschen was machen, und nicht nur zuschauen) und so noch einmal eine ganz andere Seite des Lebens hier kennenlernen und erfahren dürfen. Ich bin sehr gespannt, aber natürlich auch etwas besorgt, ob das denn da allein auf dem Dorf mit den Schwestern nicht ein bisschen langweilig und einsam wird. Wir werden sehen. So bin ich dort also vorfausslichtich die nächsten 4-6 Wochen (je nach dem, wie gut es mir gefällt=)) und weiß nicht, ob ich zwischendurch übers Wochenende mal nach Kumbo kommen kann, um vielleicht den ein oder anderen Bericht ins Internet zu stellen. Denn ich glaube dann werde ich endlich einmal Zeit haben, ausführlich und viel über den Alltag im health cente und was sonst nocht so passiert, berichten.
Ich hoffe, ihr hattet alle ein wunderschönes Weihnachtsfest und auch einen guten Start ins neue Jahr. Inzwischen ist der Alltagstrott in Deutschland ja auch schon wieder losgegangen – Alles Liebe im Alltagstrott =)
Eure Ruthi
Donnerstag, 9. Dezember 2010
Von Weihnachtplätzchen, Staub und Lagerfeuern – Ist es wirklich schon Advent?
Die Arbeit im Waisenhaus genieße ich sehr. Dadurch, dass die amerikanische Schwester und ich vormittags auf die Kinder so gut wie alleine aufpassen, können sie sich da so richtig austoben und spielen und Kind sein, was manchmal natürlich anstrengend ist – zumal sie nach wie vor auf nicht-schlagende Anweisungsgeber nur selten reagieren, meistens aber wunderschön ist!
Mit Papier und Malstiften versuchen wir auch, ihnen beizubringen, Kreise, Rechtecke und Dreiecke und die verschiedenen Farben zu unterscheiden und ein bisschen zu malen, aber viele sind daran nicht so richtig interessiert, sondern können den Moment kaum erwarten, an dem die Schwester und ich dann auf die Bitte, aus ihrem Blatt Papier doch einen Geldbeutel oder einen Regenschirm, oder ein Telefon, oder einen Hut, oder eine Brille (Ein Regenschirm ist einfach ein zusammengerolltes Blatt) zu falten, reagieren und dieser Bitte nachkommen.
Dann wird nämlich Einkaufen gespielt, oder „in die Kirche gehen“, oder telefonieren... Es ist immer sehr schön anzusehen, wieviel Fantasie Kinder doch haben, und mit wie wenig man sie glücklich machen kann, wenn man nämlich einfach ein Blatt Papier dreimal faltet und sagt: „Das ist ein Geldbeuten, ich gebe die Geld, kannst du damit auf dem Markt bitte ein paar Erdnüsse und Bananen kaufen gehen“ Dann zaubert sich ein Lächeln aufs Gesicht und schon sind sie verschwunden und kommen kurze Zeit später wieder, mit Erdnüssen und Bananen aus Luft, die ich dann genüsslich esse oder anderen Kindern verfüttere. Es ist auch wunderschön, zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln. Ein Kind, das am Anfang kaum etwas gesagt hat, dessen Stimme ich lange Zeit garnicht kannte, redet jetzt schon relativ viel und ist viel aufgeweckter geworden. Ein anderes, das zu Beginn nur herumgeturnt und geklettert ist und eine sehr ruhelose Art hat, kann man beim Schreiben, wenn man sich ein bisschen mit ihm beschäftigt, ruhig und konzentriert Kreise und Erdnüsse malen sehen. Viel länger als die meisten anderen Kinder. Aber die Entwicklung, die am leichtesten zu erkennen ist und am meisten auffällt, ist natürlich die des Babys, das inzwischen schon über den Boden robben kann und furchtbar gerne steht, sodass wir glauben, dass es läuft, bevor es richtig krabbeln kann. Letztens habe ich es auf den Boden gesetzt, weil ich für die anderen Kiner die Milch eingeschenkt habe. Ich war ganz kurze Zeit damit beschäftigt und als ich wieder in Richtung Baby geschaut habe, stand es auf einmal, sich an einer Bank festhaltend und grinste mich ein bisschen schelmig an.
Im Großen und Ganzen hat sich also der anfängliche Schock über die Art, wie Kinder behandelt werden, relativiert und ich bin wirklich sehr gerne in diesem Waisenhaus. Nächste Woche sollen wir ein ganz frisches Baby bekommen, was in dem Krankenhaus ausgesetzt wurde, in dem Mona, eine befreundete deutsche Ärztin arbeitet (deswegen weiß ich das auch). Dieses Kind wurde direkt nach der Geburt mit Nachgeburt und Blut und allem was sonst noch so rauskommt in einer Plastiktüte vor dem Krankenhaus ausgesetzt und man hat es erst gefunden, als es schon ein paar Ameisen angeknabbert hatten. Mona hat es aber wieder gut aufgepeppelt. Schrecklich, soetwas mit seinem Kind zu machen, aber die Mutter wusste wahrscheinlich keinen anderen Ausweg. Vielleicht ist es unehelich oder von einem anderen Mann als ihrem Ehemann und die Familie würde das Kind verstoßen... Zustände, wie bei uns im Mittelalter... Wenn man das hört, kann man nur ungläubig den Kopf schütteln... Alle meine Kinder im Waisenhaus haben wahrscheinlich eine mindestens genauso tragische Geschichte, und nicht nur die im Waisenhaus - in anderen Familien leben so viel mehr adoptierte Waisenkinder... Ein Fass ohne Boden...
Jedenfalls bin ich gespannt auf das neue Baby...
Anfang nächsten Jahres planen wir, für einige Woche im Dorf zu leben und dorf in einem health center zu arbeiten (jeder in einem anderen Dorf). Health center sind kleine Krankenhäuser, die oftmals nur eine oder wenig mehr Krankenschwestern als Personal haben und wo eben die hingehen, die sich die Transportkosten nach Kumbo und das Krankenhaus nicht leisten können, wo es aber natürlich noch viel weniger medizinische Möglichkeiten gibtm den Menschen zu helfen. Die Erfahrung, zum einen nochmal ganz alleine etwas zu machen, in einem Dorf zu leben und die Leute und deren Leben dort kennenzulernen und in die medizinische Versorgung etwas reinzuschnuppern, ist, denke ich, sehr interessant und spannend – bestimmt nicht immer leicht und vielleicht auch ein bisschen langweilig, aber wertvoll!
Danach möchte ich wieder ins Waisenhaus zurück. Ein bisschen plagt mich das schlechte Gewissen, die Leute im Waisenhaus alleine zu lassen, denn inzwischen bin ich ihnen schon eine große Stütze geworden. Vor allem mit dem Baby, das mich so ins Herz geschlossen hat (ich es natürlich auch), dass manchmal nur ich es zum Schlafen bringen kann und es jeden Mal, wenn ich morgens komme, zu grinsen beginnt und auf meinen Arm möchte... Das ist zum einen sehr sehr sehr schön, zum anderen gehe ich ja nach einem Jahr wieder und das Kind erlebt einen weiteren Verlust der „Mama“. Gebraucht zu werden, fühlt sich gut an, hat aber auch seine negativen Seiten... Naja, im Moment fühlt es sich vor allem gut an! Und diese negativen Seiten sind nun mal Teil eines solchen begrenzten Aufenthaltes.
Ich wünsche euch auf alle Fälle eine wunderschöne, nicht allzu stressige Adventszeit und viel Spaß im Schnee! =)
Samstag, 6. November 2010
Kribi - Sommer, Sonne, Strandurlaub
Um mal so richtig Urlaubsfeeling zu bekommen, haben wir einen Wochenendausflug nach Kribi gemacht, der sich vom Aufwand her eigentlich kaum gelohnt hat, irgendwie aber doch sehr schön war. Zum ersten Mal haben wir das Kamerunische Reisen hautnah erlebt, Kribi ist vielleicht 450 km von Kumbo entfernt und wir haben ca. 17 Stunden gebraucht, um dort anzukommen, also Donnerstagnachmittags nach Bamenda gefahren, von Bamenda dann den Nachbus nach Douala genommen und von Douala am Freitagmorgen einen Bus nach Kribi, der dann um ca. 12.00 Uhr dort angekommen ist. Wie ich vielleicht schon einmal erwähnt habe sind die Busse (genauso wie die Taxis) nicht besonders komfortabel, bzw. Sie könnten es sein, wenn sie nicht bis zum Rand vollgestopft werden würden. Außerdem muss man als jemand, der nicht an das afrikanische Klima gewöhnt ist, darauf achten, einen Platz am Fenster zu bekommen, weil Kameruner ein anderes Innenklima haben und bei Temperaturen, die wir kaum aushalten können, das Fenster geschlossen lassen, um den Wind, der aber sowieso nicht so stakt ist, weil der Bus nicht so schnell fährt, nicht abzubekommen, der ja vielleicht die Frisur zerstören könnte. Teilweise habe ich wirklich gedacht, ich zerschmelze gleich! =)
Trotz Zerschmelzungsängste sind wir kann doch irgendwie angekommen und konnten dann den Rest des Freitags und den ganzen Samstag in Kribi verbringen, das Meer genießen, die Sonne untergehen sehen, frischen gegrillten Fisch essen, Wasserfälle anschauen, die direkt ins Meer führen, am Strand spazieren gehen, Sonnenbrand holen, u.s.w. was man im Urlaub eben so macht.
Da konnten uns nicht einmal einige ältere männliche französische Touristen die gute Laune und den Genuss des Urlaubs verderben, die mit ihren jungen hübschen Kamerunerinnen Essen und Alkohol in Massen genossen und nachts im Meer komische Laute von sich gaben. Ja, Sex-Tourismus gibt es nicht nur in Thailand...Alles in allem hat sich dieser Ausflug doch gelohnt und wenn ihr die Bilder seht, werdet ihr mir da bestimmt Recht geben. =)
Wochenendausflug nach Elak/Oku mit einem Teil der Delegation
Einen Teil dieser Mystik konnten wir am eigenen Leid erfahren. Zum einen, als wir den Fon besucht haben, was man als Tourist immer machen sollte, um den Lake Oku zu sehen, was wir natürlich wollten. Der Fon ist der traditionelle Herrscher über ein bestimmtes Gebiet. Er schlichtet Konflikte unter seinen „Untertanen“, ihm gehört das ganze Land, vor allem aber kümmert er sich um seine vielen Frauen und noch zahlreicheren Kinder, die der Fon nun mal hat. Wenn man fragt, wieviele Frauen er denn jetzt genau hat, bekommt man keine Antwort. Es müssten so um die 30 Frauen sein, die alle zusammen ca. 200 Kinder haben. Jede Frau lebt in ihrem kleinen
Haus mit ihren Kindern zusammen in einem kleinen Häuschen, das aus einem Raum besteht, in dessen Mitte sich eine Feuerstelle befindet und sonst eigentlich nichts.
Den Gedanken „Den Frauen vom Fon geht es finanziell bestimmt eher gut, der Fon ist ja schließlich soetwas wie ein König...“, der mir am Anfang im Kopf herumschwebte, konnte ich beim Anblick dieser Herbergen sofort vergessen. Gerade weil sie die Frauen vom Fon sind und sich der Fon um so viele Frauen kümmern muss, geht es ihnen mindestens genauso schlecht wie dem Rest der Bevölkerung. Zwar bekommt der Fon mehr Geschenke (von allen touristischen Besuchen des Lake Okus – man muss mindestens eine Flasche Palmwein oder ein Hühnchen (die kann man hier lebendig auf dem Markt kaufen) mitbringen, um den Fon angemessen zu Jede Tür gehört zu einer Fraubegrüßen), wenn er aber diese Geschenke an seine vielen Frauen verteilt (wenn er das überhaupt macht – was sollen seine Frauen denn mit Palmwein, das ist ein traditionelles Männergetränk...), bleibt am Ende nicht mehr viel für jede einzelne Frau übrig.
Eine Frau des Fons in ihrer Hütte
Das ist auch der Grund, warum der Fon politisch nicht so viel für sein Volk machen kann/macht. Er ist selbst finanziell von bestimmten hohen Tieren in der Regierung abhängig, die ihm mit Geld unter Druck setzen können und ihren eigenen Willen damit durchbringen, egal ob dieser gut für die Menschen des Landes ist. Der Fon muss jede Gelegenheit nutzen, um irgendwie an Geld oder andere Rohstoffe zu kommen, um sich um seine vielen Frauen kümmern zu können. Außerdem hat er sich die Frauen teilweise nicht einmal selbst ausgesucht, sondern sie sind von seinem Vorgänger, was auch bedeutet, dass sie zum Teil richtig alt sind. Der Fon – so ist der traditionelle Glaube – stirbt nämlich nie, sondern ist immer anwesend. Die Männer, die Fons sind, führen so zu sagen nur das immer existente Amt des Fons aus. Wenn einer stirbt, dann wird einer seiner Verwandten (Brüder, Söhne), der dieses Amtes würdig ist, sein Nachfolger. Die Frauen des Fons sind aber nicht die Frauen der Männer, die Fons sind, sondern die Frauen des Amtes „Fon“. Sie werden also mit dem Amt übernommen. Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen seltsam an, ist aber in sofern garnicht so unklug, als dass die Frauen ja irgendjemanden brauchen, der für sie sorgt. (Nicht nur bei den Fons uns seinen Frauen, kann man diese Struktur der „Übernahme“ finden, sondern auch bei ganz gewöhnlichen Familien. Wenn der Mann stirbt, bekommt sein Bruder eben seine Familie und muss schauen, wie er diese zusätzlich zu seiner eigenen noch irgendwie versorgt.) Jedenfalls komt es so dazu, dass es Frauen und Kinder in jedem Alter auf dem Gelände der Fon-Palastes gibt, um die sich der Fon nicht nur finanziell, sondern auch „im Bett“ „kümmern“ muss(das natürlich nichtmehr ab einem gewissen Alter der Frauen =)). Ben, der Kameruner, der uns au diesem Trip begleitet hat, hat das auch wirklich so ausgedrückt: „He also has to take care for them in bed“
Jedenfalls waren wir den Fon besuchen. Wir wurden in ein Empfangszimmer geführt, was eher spärrlich eingerichtet war und warteten dann erstmal eine Weile, bis der Fon sich blicken ließ. Als er dann kam, mussten wir alle aufstehen. Die Frauen mussten gebückt stehen und durften nicht in die Augen des Fons schauen, die Männer mussten nacheinander alle drei Mal in die Hände klatschen und dann die Hände vor ihrem Mund zusammen halten. Das alles sind traditionelle Rituale, um Respekt auszudrücken. Natürlich müssen das alle machen, wenn sie den Fon begrüßen, sogar die Frauen und Kinder des Fons. Dann mussten wir uns alle vorstellen und wir haben ein bischen Smalltalt betrieben und unsere Geschenke überreicht (Wir haben auf dem Markt keinen Palmwein gefunden, deswegen haben wir normalen Wein gekauft. Außerdem haben wir ihm noch ein paar Taschenlampen, Postkarten von Deutschland und ein Metallkruz geschenkt, denn der Fon ist Katholik =)(ich weiß nicht wie, aber irgendwie können die Kameruner die traditionelle Kultur mit Polygamie ect. mit dem katholischen Glaube vereinbaren, bzw. Ist die Tradition einfach so tief verwurzelt, dass die Kirche keine Chance hätte, wenn sie solche Dinge strikt ablehnen würde. Mit der Tradition würde auch eine sehr wertvolle Sache verloren gehen)). Danach kam ein Diener des Palastes, die man an den Schwarz-Weiß-gestreiften Käppchen erkennt, mit einer Kalabasse voll mit Palmwein.
Wir mussten nacheinander vorkommen, zum Thron des Fons, und er hat uns Palmwein in die Hände geschüttet, den wir dann aus unseren Händen getrunken haben. Später haben wir aber auch noch Becher bekommen =). Jedenfalls war das ganze ganz schön spannend und aufregend, denn den Fon zu treffen, das ist schon eine besondere Sache. So viel Zeit hatte er auch garnicht für uns und ist dann relativ schnell wieder hinter der Tür verschwunden, aus der er gekommen ist, um wichtige traditionelle Dinge zu tun (wer weiß, was...) oder vielleicht um sich um seine Frauen zu kümmern =).
Danach konnten wir jedenfalls gesichert und ohne irgendwelche bösen, magischen Dinge zu befürchten, den See Oku anschauen. Nach kamerunischen 20 Minuten und deutschen 40 Minuten Fahrt auf abenteuerlicher Matschpiste, sind wir am Kratersee angekommen und konnten den wunderschönen See, jetzt am Ende der Regenzeit bis zum Rand mit urwaldähnlichem Wald bewachsen, genießen.
Wir haben außerdem noch einen der ältesten Männer Okus getroffen, einen Shufai, einen der engsten Berater des Fons, der gleichzeitig auch der beste Holzschnitzer Okus sein soll. Ihn nannten alle nur „big man“. Auch er hat viele Frauen und viele viele Kinder und lebt euf einem Hof mit mehreren Häusern, wo einige seiner Frauen und Kinder wohnen. Wir saßen in einer Lehmhütte, die vor lauter Ruß innen ganz schwarz war. Es brannte ein Feuer und man konnte es nur auf kleinen Höckerchen sitzend in dieser Hütte aushalten, weil der Rauch des Feuers die Augen sonst zum tränen gebracht hätte. Der Ruß des Feuers verleiht den Schnitzereien seine typische schwarze Farbe und die Wärme des Feuers beschleunigt das Trocknen des Holzes. Hier wurden einige Verhandlungen gemacht, weil eine der Delegation, Monika, eine bestimmte Marienstatue, im Oku-Kamerunischen Holzschnitzstil für ihre Gemeinde bei ihm in Auftrag gegeben hat. Er hat uns Colanüsse (sehr traditionell, sehr bitter, sehr koffeinhaltig, sie werden zum Palmwein gegessen, weil damit der Palmwein süßer schmeckt) und einen Hahn geschenkt.
Dieser Hahn wohnt jetzt bei uns drei Freiwilligen im Innenhof und lässt es sich gut gehen =). Nachdem uns bis jetzt alle Kameruner, denen wir „Ansger“ gezeigt haben, sagten, dass man ihn eigentlich ganz schnell schlachten soll, weil er sonst nur die Blumen frisst, sind wir ernsthaft am überlegen, ob er nicht unser Weihnachtsbraten werden soll. Im Moment lebt er jedenfalls erst einmal glücklich pickend in unserem Innenhof.
Ich könnte jetzt noch viel mehr von Traditionen und Riten berichten, aber wie könnte ich Euch die Dinge verständlich machen, die ich selbst kaum bis garnicht verstehe?!
Der Priester der Gemeinde Elak/Oku, der selbst auch ziemlich mit der Tradition verbunden ist, obwohl er ein Österreicher ist, der schon 43 Jahre in Kamerun lebt, hat uns ein vielleicht 700 Seiten dickes Buch über die Kultur und die Tradition Okus gezeigt – Kaum zu glauben, wie viel man dazu aufschreiben kann...